Am 11.Oktober 2018 besuchte die Senioren-Union Wehrheim mit vielen Gästen der SU Bad Homburg die Falknerei auf dem Feldberg im Taunus.
Die Falknerei wurde im Juni 1965 gegründet und beherbergt somit die älteste und zugleich auch höchstgelegene Falknerei Hessens – mit über 30 Greifvögel - Falken, Habichte, Bussarde, Adler, Milane, Eulen, Uhus und Käuze.

Wir wurden auf dem Falkenhof Feldberg vom Betreiber Christian Wick und seiner Mitarbeiterin Ursula Zieten empfangen, die uns in einem ausführlichen Vortrag und mit der Präsentation der Vögel Einblicke in Verhaltensweisen und Lebensräume von Greifvögeln gaben.

Alle Vögel der Falknerei sind in menschlicher Obhut nachgezüchtet, wobei 95% der Arten nicht aus Deutschland stammen.
Es gibt hier auch eine Auffang- und Pflegestation, in der verletzte und aus dem Nest gefallene Greifvögel und Eulen aufgenommen, gesund gepflegt und wieder auswildert oder aber an andere Falknereien oder zoologische.Einrichtungen verkauft werden.
Generell gilt, daß - je größer die Vögel sind – sie um so älter werden: in freier Wildbahn um die 25 Jahre (Steinadler 55-60 Jahre). Allerdings gibt es auch wieder in freier Wildbahn eine 60%ige Jungen Sterblichkeit.

An Hand von drei Vögeln, einem Falken, einem Bussard und einem Uhu wurden uns die Unterschiede der Greifvögel aufgezeigt und erklärt:

Als erstes wurde uns ein Falke vorgeführt
Falken bauen keine Nester. Die Brut findet in Nestern anderer Vogelarten oder in einfachen Mulden an Felswänden, Gebäuden oder auf Bäumen statt. Dies unterscheidet sie von den anderen Greifvögeln.
Falken sind tagaktive Jäger. Im Gegensatz zu Adlern oder Bussarden ist ihre Anatomie auf den aktiven, schnellen Flug hin ausgerichtet und nicht optimal zum Nutzen von Aufwinden geeignet. Dies führt dazu, dass die meisten Falkenarten ihre Beute im aktiven Flug suchen (der Falke gilt als schnellster Vogel der Welt) oder von einem Ansitz aus nach Nahrung Ausschau halten. Wird diese entdeckt, wird sie auch über weite Strecken hin angeflogen und verfolgt.
Zur natürlichen Beute von Falken gehören je nach Größe und besonderer Anpassung der Art kleine Säugetiere, Vögel, Reptilien, Amphibien und größere Insekten.

Als nächstes präsentierte Christian Wick den Königsrauhfußbussard
Er gehört zu den Habichtartigen Greifvögeln, der größten Gruppe aller Greifvögel.
(Zur Familie der Habichtartigen gehören beispielsweise die meisten der als Adler und Geier bezeichneten Vögel sowie die Gattungen der Bussarde, Weihen, Habichte und Sperber).
Der größte bussardartige ist der Königsrauhfußbussard mit 55-65 cm Körperlänge, Flügelspannweite 135-144 cm, Gewicht bis zu 2 kg. Er kann den Kopf 180° drehen und damit sein eingeschränktes Gesichtsfeld (außen liegende Augen) überkompensieren.
Die Augen sind das Hauptsinnesorgan. Sie können durch doppelfokussieren (mehrmaliges scharfstellen) auf 1 km Entfernung eine Maus erkennen.

Diese Greifvögel sind Grifftöter, ihre Krallen haben z.B. beim Steinadler pro Kralle eine Kraft von 80 kg! und schlagen in Hals, Kopf, (Brustkorb, Lunge). Die Opfer
Sind i.d.R sofort tot durch Schock oder Verblutung.
Übrigens: Steinadler können recht große Tiere wie Hasen, Füchse, Marder und Rehkitze erbeuten, ihre Hauptnahrung sind jedoch Murmeltiere; im Winter verschmähen sie auch Aas nicht.
Bei ihren Flügen nutzen sie im Gegensatz zu den Falken geschickt die Thermik, also die warmen, aufwärts gerichteten Luftströme, mit deren Hilfe sie sich in weiten Kreisen immer höher schrauben, um dann im Gleitflug vorwärts zu fliegen. Vor allem die Geier haben die Kraft sparende Kunst des Gleitens zu höchster Perfektion entwickelt und bleiben stundenlang in der Luft.
Das Gewölle der Bussarde (die ausgewürgten unverdaulichen Nahrungsreste) hat – im Gegensatz zu den Eulen - nur noch Fell bzw.Federn, keine Knochen (Greifvögel
haben stärkere Magensäure als Eulen)

Zuletzt wurde uns ein 8 jähriger turkmenischer Uhu (namens Penelope) vorgestellt, einer der größten existierenden Eulenvögel.
Er ist ein Nachtjäger und jagt ausschließlich mit dem Gehör. Er hat eingeschränktes Gesichtsfeld von nur 10°. Die Augen sitzen ganz vorne und sehen nur starr geradeaus – können aber wie ein Teleobjektiv ran zoomen. Um sein eingeschränktes Gesichtsfeld zu kompensieren kann er seinen Kopf um 270° drehen!
Die Ohren sind das Hauptsinnesorgan.
Das liegt daran, dass der Uhu etwas andere Ohren hat als wir Menschen. Seine Ohr-Öffnungen sitzen auf der einen Seite des Kopfes etwas höher als auf der anderen.
Dadurch erreichen die Geräusche der Beute die Öffnungen zu unterschiedlichen Zeiten. Der Uhu hört so genau, wie weit seine Beute entfernt ist. Blitzschnell hat er eine Maus, die 100 m entfernt im Wald raschelt, einen Igel oder einen Hasen durch lautlosen Flug erwischt. Oben auf dem Kopf haben Uhus Federbüschel, die wie Ohren aussehen. Diese werden auch Federohren genannt. Sie haben mit dem Gehör aber nichts zu tun.
Die Eulen töten „kombiniert“, d.h. sie greifen mit den Fängen wie die Greifvögel und beissen dann mit dem Schnabel wie die Falken. Mäuse verschlucken sie am Stück. Um ein Beutetier zu erlegen, benötigen die Eulen ca. 6 Anflüge. Beutetiere sind Hasen, Kaninchen, Waschbär, Fuchs und Igel.

Nach den höchinteressanten und lehrreichen Ausführungen unternahmen wir noch einen Rundgang durch das Gehege und beendeten unseren Ausflug mit einem gutbürgerlichen Mittagessen im Feldberghof.

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Sebastian Sommer

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